
Direktvermarktung von Haushalts-PV-Anlagen bei negativen Strompreisen: Erfahrungen von sonnen zur Abregelung und Netzentlastung
Am langen Feiertags-Wochenende des ersten und zweiten Mai 2026 wurde in Deutschland deutlich mehr Strom erzeugt, als es am Strommarkt Nachfrage gab. Die Folge: die Preise an der Europäischen Strombörse Epex Spot rauschten in den Keller. Mit zeitweisen Preisen von -49,99 Cent/Kilowattstunde (ct/kWh netto) war Strom am Spotmarkt noch nie so günstig wie zu diesem Zeitpunkt.
Was steckt hinter negativen Strompreisen, warum kann ungesteuerte Einspeisung das Stromsystem überlasten und wie können PV-Anlagenbetreiber in der Direktvermarktung gemeinsam mit sonnen zur Lösung beitragen? Ein Überblick.
Was sind negative Strompreise und warum werden sie häufiger?
Negative Strompreise treten auf, wenn ein hohes Angebot auf eine niedrige Nachfrage trifft. Besonders häufig passiert das im Frühjahr und Sommer, an Wochenenden und Feiertagen, insbesondere am Mittag und frühen Nachmittag: Die Sonne scheint, viele PV-Anlagen produzieren gleichzeitig Strom, während die Nachfrage niedrig bleibt – etwa, weil viele Betriebe geschlossen sind. Das Ergebnis: Die Preise an der Strombörse rutschen ins Minus.
Ein wichtiger Grund dafür: Während sich der Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigt hat, fehlen weiterhin dringend notwendige Speicher sowie Flexibilität, mit denen sich das zeitweise Überangebot auffangen ließe. Dadurch werden solche Situationen häufiger: 2025 gab es in Deutschland bereits an 110 Tagen negative Strompreise, insgesamt 573 Stunden. 2024 waren es noch 460 Stunden und 2023 waren es rund 300 Stunden.
Auch 2026 setzt sich dieser Trend fort. Bis Ende April sehen wir bereits rund 50 % mehr Negativpreis‑Phasen als im gleichen Zeitraum 2025. Analysten erwarten für das Gesamtjahr sogar 700–900 negative Stunden.
Negative Preise sind aber kein Anzeichen dafür, dass die „Märkte nicht funktionieren“, wie das immer wieder zu lesen ist. Der Strommarkt zeigt in dieser Zeit einfach ein deutliches Überangebot. Das ist eigentlich ein starker Marktimpuls, denn wer bei sehr tiefen Preisen Strom verbraucht, kann sogar Geld verdienen. Vereinfacht gesagt: Der Markt belohnt in solchen Zeiten den Stromverbrauch, während die Einspeisung verlustreich wird. Es handelt sich also um einen Ausgleichsmechanismus des Marktes.
EEG-Vergütung: Gut gemeint, aber nicht immer systemdienlich
Das Problem ist, dass dieser Ausgleichsmechanismus heute nur sehr eingeschränkt funktioniert. Die Einspeisung von privatem Solarstrom und der Stromverbrauch sind weitgehend von den aktuellen Marktpreisen entkoppelt. Dadurch fehlt den meisten PV-Anlagenbetreibern und Verbrauchern der Anreiz zur flexiblen Anpassung.
PV-Anlagen, die bis Februar 2025 in Betrieb genommen wurden, erhalten auch bei einem Überangebot von Strom und negativen Strompreisen weiterhin die EEG-Vergütung. Das ist attraktiv für den Anlagenbetreiber, allerdings gibt es keinen Anreiz, die Einspeisung zu reduzieren, obwohl das Stromangebot die Stromnachfrage im System übersteigt. Die Folge: Strom fließt ins Netz, obwohl er dort nicht gebraucht wird. Auch deshalb möchte die Politik die bisherigen starren Regelungen zur EEG-Vergütung durch eine flexible Vergütung wie die Direktvermarktung ersetzen.
Warum kann ein Überangebot erneuerbarer Einspeisung ein Problem für das Netz darstellen?
Wenn viel Solarstrom eingespeist wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Stromerzeugung den aktuellen Bedarf übersteigt und gleichzeitig lokale oder regionale Netzengpässe auftreten. Diese Engpässe entstehen, weil die vorhandenen Stromleitungen nicht in der Lage sind, die anfallenden Energiemengen vollständig zu transportieren. Man kann sich das wie bei einer Autobahn vorstellen: Wenn mehr Autos auffahren als abfahren, wird es irgendwann eng. Wenn der Verkehr dann nicht geregelt wird, kommt es irgendwann zum Stau.
Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNBs), die für stabile Netzezuständig sind, warnen regelmäßig: Wenn zu viel Strom eingespeist wird und die Nachfrage nicht mithält, drohen kritische Situationen bis hin zuStromausfällen. Speisen erneuerbare Energien ungesteuert ein, kann dies das Netz stark belasten – und das passiert immer öfter. Was also können private PV-Anlagenbesitzer tun, um ein Teil der Lösung zu sein und das Stromnetz in diesen Zeiten nicht zusätzlich zu belasten?
Direktvermarktung als Baustein zur Systemstabilität
Direktvermarkter verkaufen Strom aus erneuerbaren Anlagen an der Strombörse und erhalten dafür den jeweils aktuellen, alle 15 Minuten wechselnden Börsenpreis. So werden Preissignale der Strombörse genutzt: Sinkt der Preis ins Negative, reagieren Direktvermarkter wie sonnen bereits aus reinwirtschaftlichem Interesse. Sie ergreifen dann Maßnahmen, mit denen sie die Einspeisemengen zu negativen Preisen minimieren.
Dieser wirtschaftliche Anreiz führt dazu, dass direktvermarktete Anlagen bei Stromüberschuss - signalisiert durch negativeStrompreise – aktiv zur Netzstabilität beitragen. Besonders dann, wenn die PV-Anlagemit einem intelligenten Speicher kombiniert wird. So wird Strom eingespeist,wenn er gebraucht wird – und nicht, wenn das Netz ohnehin schon voll ist.
Wie sonnen das Netz entlastet
Bei sonnen setzen wir seit vielen Jahren auf eineintelligente und netzdienliche Einbindung von Solar-Haushalten ins Stromnetz. Dazu gehört auch die Direktvermarktung des Überschusses von kleinen, privaten PV-Anlagen. In dieser Kombination sind wir Vorreiter im deutschen Strommarkt. Technisch setzen wir dabei auf zwei zentralen Maßnahmen:
1) Ladeverschiebung der Batterien: Die sonnenBatterie kann auf Basis von Wetter- undMarktpreisprognosen erkennen, wenn es sinnvoll ist die Batterie nicht direktund sofort am Morgen zu laden, sondern gezielt erst in den Stunden mit dennegativsten Preisen zur Mittagszeit. So wird PV-Strom eingespeichert, wenn erim Überfluss vorhanden ist. Solange die Preise noch positiv sind und es damiteinen Bedarf gibt, speist die PV-Anlage ins Netz ein. Dieser Mechanismus eignetsich besonders dann, wenn die Zeiten mit negativen Strompreisen kurz sind.
2) Drosselung der Netzeinspeisung in der Direktvermarktung: Wenn negative Preise über viele Stunden hinweg auftreten, ist auch der größte Speicher irgendwann voll. Ist die PV-Anlage in der Direktvermarktung, kann sie in kritischen Stunden gezielt angesteuert werden, so dass keine Einspeisung in das Stromnetz erfolgt. Der Eigenverbrauch innerhalb des Hauses ist hingegen weiterhin durch PV-Anlage und Speicher gedeckt. Das heißt: Weniger Strom gelangt ins Netz, wenn ohnehin schon ein Überangebot herrscht. Achtung: Für unsere Kunden der sonnenFlat hat die Anzahl und Dauer dieser Steuerung keine negative Auswirkung, da die Höhe der Freistrommenge vorher festgelegt ist und für die gesamte Vertragslaufzeit pauschal angesetzt wird.
Und welche Vorteile bringt mit die Direktvermarktung als Kundebei sonnen?
Wer sich als PV-Anlagenbetreiber für eine Direktvermarktungvon sonnen entscheidet, profitiert gleich mehrfach.
Einerseits bietet sonnen den Kunden in der Direktvermarktungeine attraktive Vergütung für den eingespeisten Strom, mindestens in der Höheder EEG-Vergütung. Zudem können Kunden durch die Teilnahme am virtuellen Kraftwerk (VPP)von sonnen zusätzlich Erlöse generieren, indem sie zum Beispiel imPool aus tausenden vernetzten sonnenBatterien Regelleistung bereitstellen undso die Netze stützen. Dafür werden sie entlohnt.
Dazu kommen weitere Vorteile: Seit Februar 2025 dürfen neuin Betrieb genommene PV-Anlage nur noch 60 % ihrer Nennleistung einspeisen. Außerdem bekommen Betreiber neuer PV-Anlagen bei negativen Strompreisen keine EEG-Vergütung für eingespeisten Strom mehr. Bei Teilnahme an der Direktvermarktung fallen diese Einschränkungen vollständig weg. Klare Argumente für die Direktvermarktung von PV-Anlagen.
Praxisbeispiel: Das lange 1.-Mai-Wochenende 2026
Ein typisches Beispiel: Am langen Wochenende des 1. Mai 2026 schien in großen Teilen Deutschlands die Sonne, teilweise kam noch Wind dazu. Gleichzeitig sank der Spitzenverbrauch am Tag auf 65 GW/h, was deutlich weniger als an einem normalen Wochentag ist. Am Day-Ahead-Markt sanken die Strompreise auf bis zu-50 ct/kWh, und das über mehrere Stunden.
Zur Entlastung des Netzes hat sonnen daraufhin bei tausenden direkt vermarkteten Anlagen die Einspeisung reduziert. Wichtig: Bei den Anlagen wurde nur die Netzeinspeisung auf 0 gesetzt. Damit stand der selbst erzeugte PV-Strom in der Regel weiterhin für den Eigenverbrauch zur Verfügung, zum Kochen, Waschen oder Laden des E-Autos. Gleichzeitig blieb die Freistrommenge in der sonnenFlat voll erhalten.
Damit hat sonnen bewiesen, dass Marktmechanismen genügend Anreiz bieten können, um die Stromerzeugung von PV-Anlagen bedarfsgerecht zusteuern. Ganz ohne politische Vorgaben oder Eingriffe der Netzbetreiber.
Was können Kundinnen und Kunden außerdem tun?
Über die Direktvermarktung lässt sich also steuern, wie viel Solarstrom ins Stromnetz gelangt. Auf der anderenSeite lässt sich aber auch der Verbrauch steuern, um das Stromnetz zu entlasten. Das geht über dynamische Stromverträge. Wer in der Zeit von negativen Strompreisen z.B. sein Auto lädt, nimmt dem Netz überschüssigen Strom ab und hilft so, Angebot und Nachfrage auszugleichen. Je nach Höhe des Negativpreises, kann der wirtschaftliche Anreiz sehr hoch sein.
Aber Achtung, ein negativer Börsenpreis bedeutet nicht automatisch, dassder Strompreis für den Haushalt auch negativ wird, weil noch die Abgaben wie Netzentgelte oder Steuern dazukommen. Die liegen in Deutschland im Schnitt zwischen 20 und 25 Cent/kWh. Erst wenn der Börsenpreis noch tiefer ist, zahlt man tatsächlich gar nichts mehr oder verdient sogar etwas. Aktuell ist das an nur sehr wenigen Tagen der Fall. Dazu kommt, dass zu diesen Zeiten häufig auchdie PV-Anlage auf Hochtouren läuft und den Eigenbedarf bereits deckt.
Fazit: Systemdienliches Verhalten durch wirtschaftlicheAnreize
Die Energiewende braucht intelligente Lösungen, die wir bei sonnen bereits heute schon anbieten. Wirtschaftliche Anreize – wie sie negativeStrompreise für die Direktvermarktung bieten – sorgen dafür, dass PV-Anlagen systemdienlich betrieben werden: Sie reduzieren die Einspeisung in Zeiten von Überangebot und erhöhen die Nachfrage, wenn es das Netz braucht. So wird das Stromnetz stabiler, die Energiewende gelingt – und alle profitieren.
Sie möchten mehr erfahren oder Ihre PV-Anlage in dieDirektvermarktung bringen? Nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf!